Bedeutender Nachkriegsarchitekt wirkte in Ost- und Westdeutschland  

Egon Hartmann hat nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur in Mainz maßgeblich am Wiederaufbau der größtenteils zerstörten Stadt mitgewirkt. Der Stadtplaner und Architekt hinterließ sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland seine Spuren, so auch in der Bundeshauptstadt Berlin. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Egon Hartmann und der Wiederaufbau von Mainz“ schildert Dr. Kai Drewes in einem Vortrag am 4. Februar im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), welche Rolle Berlin im beruflichen Leben von Egon Hartmann spielte. Die Metropole gilt als einer der wichtigsten Orte in Hartmanns Karriere als Architekt und Stadtplaner, auch wenn er dort nie lange lebte. Wie Dr. Drewes, Leiter der Wissenschaftlichen Sammlungen am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, schildern wird, reiste Hartmann 1936 erstmals nach Berlin, um die Olympischen Spiele zu besuchen. Zwei Jahre später sammelte er in einem Berliner Architektenbüro erste berufliche Erfahrungen. In den 1950er-Jahren feierte er dort zwei fulminante Wettbewerbserfolge: 1951 gewann er überraschend den Wettbewerb für den Bau der Stalinallee (heute: Karl-Marx-Allee). Bei der Umsetzung des wichtigsten Boulevards der DDR war Hartmann allerdings nur einer von sechs Architekten – sein prämierter Entwurf erfuhr starke Veränderungen. 1958 errang er den zweiten Platz beim internationalen Ideenwettbewerb „Hauptstadt Berlin“, den die Bundesregierung und der West-Berliner Senat gemeinsam ausgerichtet hatten. Dabei ließ er sogar renommierte Größen wie Scharoun und Le Corbusier hinter sich. Dieser Erfolg ist vor allem zu diesem Zeitpunkt eine besondere Genugtuung für Hartmann. In Mainz hatte der Stadtplaner einen schweren Stand, der Konflikt in der Bauverwaltung um den Wiederaufbau der Stadt hatte sich deutlich verschärft, Hartmanns Pläne standen in der Kritik.

Auch wenn Hartmann seine Karriere im Westen fortsetzte – 1959 wechselte er von Mainz nach München – ebbte sein Interesse für Berlin nie ab. Die städtebauliche Entwicklung behielt er stets im Blick, besonders nach der deutschen Wiedervereinigung. Und er hielt fortlaufend Kontakt zu seinem früheren Hochschullehrer Hermann Henselmann in Ost-Berlin, der bei der Stalinallee zugleich sein Konkurrent gewesen war.

Der Vortrag „Egon Hartmann und Berlin“ beginnt am Dienstag, 4. Februar, um 18 Uhr. Die Ausstellung „Egon Hartmann und der Wiederaufbau von Mainz“ ist noch bis 1. März 2020 im Landesmuseum Mainz zu sehen. 

Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – Wir machen Geschichte lebendig.

Foto: Egon Hartmann 1990 vor dem Martin-Gropius-Bau in Berlin vor seiner dort ausgestellten Isometrie aus dem westdeutschen Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“, 1958.
© IRS, Nachlass Egon Hartmann